Umgang und Haltung

von Bernhard F. Franke

"Ruhe ist die erste Bürgerpflicht"!
Ein Sprichwort, welches selbstverständlich auch  und gerade für die Reiterei und für den Umgang mit Pferden gilt.


Deshalb: „Ruhe ist die erste Reiterpflicht“! Nichts ist daher schädlicher als Hektik, Nervosität und laute sowie grobe Behandlung der Pferde. Sicher, es ist auch manchmal erforderlich und von Nutzen, einem Pferd durch eindeutiges Handeln die Grenzen aufzuzeigen und "Hilfen" zu geben.

Camargue-Pferde werden auch heute noch von den verantwortungsvollen Züchtern in einer Herde aufgezogen.  Damit werden die Fohlen und heranwachsenden Pferde in ihrem sozialen Verhalten auf natürliche Weise geprägt. Sie lernen, eine Rangordnung zu akzeptieren, die für das spätere Verhalten bei der Ausbildung und beim Umgang von größter Wichtigkeit ist.

Auf die einzelnen Zuchtlinien, Zuchtziele und die Bedingungen der Züchter werde ich an anderer Stelle noch näher eingehen.

Der Reiter oder Betreuer – sprich der Mensch –  ist der Chef!

Dies aufzuzeigen, sollte jedoch grundsätzlich erst nach Ausschöpfung aller anderen Maßnahmen erfolgen. Oder aber, wenn offensichtlich ein nicht umgängliches Verhalten des Pferdes festzustellen ist, so zum Beispiel, das Pferd tritt gezielt nach dem Reiter oder Betreuer oder es macht alle möglichen „Faxen“ und hält trotz Ermahnungen und gutem Zureden nicht still oder es entwickelt die Unart des Beißens. Eine harte Reaktion des Betreuers – lautes Zurechtweisen, kurzes festes Reißen am Anbinde- oder Führstrick oder auch ein fester Klaps mit der flachen offenen Hand an den Pferdebauch, an das Pferdekinn beim Beißen, notfalls auch ein „Kick“ mit dem Knie oder Fuß – wirken oft Wunder und sind durchaus sinnvoll und notwendig.

Man beachte allerdings strikt, dass diese Zurechtweisungen immer sofort nach dem Fehlverhalten des Pferdes und von untern nach oben erfolgen, damit das Pferd die Zurechtweisung unmittelbar zuordnen kann und nicht „kopfscheu“ wird.

Danach sollte jedoch auch unbedingt wieder die Ruhe einkehren, um dem Pferd zu zeigen: „Siehst Du, es geht alles prima mit Ruhe!“ Auch ein Lob durch Streicheln am Hals, Kopf oder Bauch bewirken hier  im weiteren Verhalten des Pferdes wahre Wunder. Zur Beruhigung des Pferdes allgemein ist ein kreisendes Streicheln am  Pferdebauch oder an der Kruppe  neben der Schweifrübe  zu empfehlen.

Die Schwierigkeiten im Umgang mit Pferden beruhen fast immer auf Missverständnissen zwischen Pferd und Mensch und auf dem falschen Umgang des Menschen mit dem Pferd. Pferde sind keine „Kuscheltiere“ und der Mensch hat sich auf das Wesen des Pferdes einzustellen. Nicht das Pferd macht die Fehler, sondern immer nur der Mensch. Es muss also zunächst der Mensch geschult und ausgebildet werden und erst in der Folge das Pferd.

Deshalb nochmals der dringende Rat: „Ruhe ist die erste Reiterpflicht!“: Profitieren Sie von den Erfahrungen anderer und übernehmen Sie die Tricks und Kniffe und versuchen Sie nicht, eigene "noch nicht erprobte" Wege zu gehen.

Nehmen Sie auch Abstand von Einstellungen, die Pferde „vermenschlichen“ und in Pferde etwas projezieren, was Pferde bestimmt nicht sind, nämlich logisch denkende Wesen mit den Zügen menschlichen Charakters!

Einige hilfreiche Tricks und Kniffs.

Führen Sie Ihr Pferd immer am losen Führstrick, d.h., versuchen Sie Ihr Pferd immer ohne "Zwang" zu behandeln. Druck und Gewalt erzeugt Gegendruck und Flucht! Reden Sie mit Ihrem Pferd in einem beruhigenden Tonfall, aber erwarten Sie nicht, dass Ihr Pferd Ihre einzelnen  Worte versteht! Erst nach langer Zeit kann es sein, dass Ihr Pferd bestimmten Worten folgt, wobei der Tonfall das ausschlaggebende Signal ist. Erwarten Sie daher insbesondere nicht, dass Ihr Pferd "ganze Sätze - und Nebensätze" versteht! Kurze, vom Tonfall bestimmte Worte genügen, um Ihrem Pferd die nötigen Informationen zu geben und diese zu trainieren.

Es ist für mich immer wieder überraschend, wenn "erfahrene" Reiter einen falschen Umgang mit Ihrem Pferd praktizieren und viele einfache Regeln missachten. Daher hier im nachfolgenden einige Beispiele und Hinweise, die für viele erfahrene Reiterinnen und Reiter vielleicht sebstverständlich sind, aber leider in der Praxis von  vielen Reiterinnen und Reitern nicht beachtet werden:

1. Führen Sie Ihr Pferd immer mit einem original Camargue-Führstrick. Dieser ist mindestens 3  Meter lang und besteht aus einem   12 mm dicken Seil in der typischen schwarz-weißen Musterung. Dieses Seil  (maritim: Leine) hat seinen Ursprung im maritimen Bereich des Mittelmeeres. Die früher auch sehr bescheiden lebendenden Gardians haben  diese maritimen Leinen als Führstrick verwendet. Es liegt gut in der Hand und Sie können dem Pferd auch im Bedarfsfalle wegen der Länge von 3 Metern den nötigen Raum und Abstand geben. So kann z. B. beim Führen von zwei  oder mehr Pferden oder bei einem Steigen des Pferdes aus vielfältigen Gründen diese Art des Führstrickes von großer Bedeutung sein. Erteilen Sie allen "Billigangeboten" eine Absage, denn diese Führ- und Anbindestricke sind in der Regel zu kurz und liegen nicht griffig in der Hand. Meistens handelt es sich hierbei um weiche und dehnbare Materialien, die nicht für den vorgesehenen Zweck geeignet sind.

2. Führen Sie Ihr Pferd immer von links, damit Insbesondere  junge Pferde sich an ein Herantreten von links - wie ebenfalls beim Aufsitzen - frühzeitg und dauerhaft gewöhnen. Auch wenn Sie zwei oder mehr Pferde führen, sollen diese immer auf einer Seite - also auf Ihrer rechten Seite geführt werden. Damit verhindern Sie, daß zwei oder mehr Pferde Sie quasi "auseindderreißen" oder in ihrer Mitte "einklemmen", womit zum einen Gefahren verbunden sind und Sie zum anderen die Kontrolle wegen der auftretenden  gegensätzlichen Kräfte nur bedingt ausüben können.

3. Binden Sie Ihr Pferd stehts nur mit einem sogannten Panikknoten an und sichern Sie diesen mit mindestens zwei besser sogar drei Schlaufen. Damit gewährleisten Sie, daß Ihr Pferd einerseits sicher angebunden ist, Sie andererseits jedoch jederzeit bei Gefahr Ihr Pferd blitzschnell mit einem Zug am Ende des Anbindestrickes wieder freimachen können. Auch die Panikhaaken an den Billigprodukten sind nicht optimal, denn oftmals "klemmen" sie beim Auslösen und sie befinden dicht am Halfter, so daß Sie im Falle einer Panik zu dicht an Ihr  Pferd herantreten müssen.

4. Beim Verladen Ihres Pferdes benötigen Sie insbesondere bei  jungen unerfahrenen Pferden vor allen Dingen viel Zeit und Geduld.

Führen Sie Ihr Pferd zunächst einmal an die geöffnete Brack (Klappe) Ihres Pferdehängers. Sinnvoll und zweckmäßig ist es, wenn Sie rechts und links der Brack - sofern vorhanden - jeweils einen kleinen Stroh- oder Heupallen postieren, damit die Höhe des Hängerbodens optisch und aus Gründen der Sicherheit beim seitlichen Ausbrechen Ihres Pferdes auch praktisch verringert wird, d.h., Ihr Pferd tritt im Falle eines Falles nicht neben die geöffnete Brack auf den tieferliegenden Boden.

Versuchen Sie Ihr Pferd stehts nur mit einem Futtereimer (Karotten, Äpfel oder Müsli) in mit "gutem Zureden" in den Hänger zu locken.  Vermeiden Sie Zwang oder Gewalt und vermeiden Sie, daß Ihr Pferd von "hinten" in den Hänger gedrängt wird. Pferde sind bekanntlich Fluchttiere und erkennen sehr schnell, daß der Hänger für sie eine ausweglose Falle darstellt. Es folgt dann eine Verweigerungshaltung Ihres Pferdes und es richtet sich dann spontan rückwärts. Hilfspersonen sollten daher keinesfalls "hinter" dem Pferd stehen! Es kann zwar in dem einen oder anderen Falle einmal erfolgreich sein, das Pferd mit einem "Touchieren" oder einem "In-die-Hände-klatschen" von hinten zu bewegen, spontan in den Hänger zu laufen. In der Regel funktioniert dieser Überraschungseffekt jedoch nur einmal, so daß eine nachhaltige und sanfte Verladetechnik sicher sinnvoller ist.  Auch besteht bei der Verladetechnik unter Zwang immer die erhöhte Gefahr eines Unfalles. Schließlich wollen wir erreichen, daß unser Pferd  nach entsprechendem Training später einmal  "freiwillg" und ohne Zwang in den Hänger geht.

Weiterhin ist es von größter Wichtigkeit, das Anbinden des Pferdes im Hänger immer erst dann vorzunehmen, wenn die hintere Stange bzw. die Brack geschlossen ist. Binden Sie niemals Ihr Pferd an, bevor die hintere Stange geschlossen ist! 

Wenn Ihr Pferd dann also im Hänger steht, sollten Sie es so anbinden, daß ein "Steigen" verhindert wird. Wickeln Sie den Anbindestrick mindestens zweimal um die vordere Anbindestange, so daß Ihr Pferd zwar noch  aufrecht stehen kann, jedoch ein Steigen und Überspringen der vorderen Stange unmöglich ist. Benutzen Sie dabei den Panikknoten mit mindestens drei Schlaufen, damit die Anbindung sicher ist.

Belohnen Sie  Ihr Pferd auch durch weiteres Futter im Hänger.  Auch bei Pausen und vor dem Entladen sollten Sie dem Pferd zeigen, daß es ihm im Hänger gut geht.

Während einer längeren Fahrt sollten Sie mindestens alle zwei Stunden eine Pause von mindestens 20 Minuten einlegen, damit Ihr Pferd seine Muskeln entspannen kann, welche während der Fahrt ständig angespannt sind,  um  die Bewegungen des Hängers während der Fahrt ausgeglichen und  das Gleichgewicht zu halten.

Haben Sie das Ziel erreicht, lassen Sie Ihr Pferd noch einige Zeit auf dem Hänger stehen, damit es sich auch an Standzeiten gewöhnt. Beim Entladen gehen Sie in umgekehrter Reihenfolge vor!  Zuerst das Pferd vorne abbinden, dann die hintere Stange öffnen! Achtung: Den Anbindestrick nicht um die Stange schlingen, sondern umbedingt frei halten oder um den Pferdehals legen, wenn Sie Ihr Pferd alleine ohne Hilfe entladen möchten. Wenn Sie Hilfe haben, dann halten Sie den Anbindestrick beim Rückwärtrichten auf dem Hänger so, daß das Pferd seinen Kopf nicht nach hinten wenden kann. Bei sehr jungen Pferden besteht sehr häufig der Drang, den Kopf beim Rückwärtsrichten nach hinten zu wenden, da diese das Rückwärtsrichten noch nicht beherschen.

Beim Entladen ist weiter zu beachten, daß möglichst eine zweite Person an der hinteren Seite des Pferdehängers das seitliche Ausbrechen beim Rückwärtsrichten des Pferdes verhindert. Dies durch leichtes Handauflegen an der gefährdeten Seite. Lassen Sie dabei Ihr Pferd sich langsam und Schritt für Schritt nach hinten richten, wobei der Kopf des Pferdes immer mit dem Führstrick noch vorne gehalten werden muß. Achten Sie dabei darauf, dass der Führstrick lose ist und keinesfalls noch um die vordere Stange gewickelt ist!

Viele vermeidbare Unfälle könnten  verhindert werden, wenn diese einfachen Regeln in der Praxis immer beachtet würden.

5. Benutzen Sie beim Umgang mit Ihrem Pferd möglichst  k e i n e  Gerte oder Peitsche. Schließlich soll Ihr Pferd Ihnen ohne Zwang vertrauen! Außerdem benötigen Sie beim Reiten alle Ihre Hände. Entweder Sie Reiten ein ausgebildetes Pferd einhändig, dann benötigen Sie die "zweite" Hand als Arbeitshand, z.B. zum Halten eines Trident. Oder Ihr Pferd ist noch in Ausbildung, dann benötigen Sie beide Hände zum korrekten Halten der "vier" Zügel. Also verzichten Sie auf eine Gerte bis auf Ausnahmefälle, wie z.B. bei Vorstellungen an der Hand. Dann bedeutet eine Gerte aber nur "Zeigestaab" und keinesfalls "Prügelstaab"! Auch beim Longieren können Sie auch auf eine Longiergerte verzichten, denn es genügt  ein Anheben der Hand, um die gleiche Wirkung des "Zeigens" zu erzielen.

6. Benutzen Sie dagegen immer Ihre Stimme als weitere Hilfe! Ihr Pferd hat auch einen ausgeprägten Gehörsinn. Beim Umgang mit Ihrem Pferd sollten Sie dieses Hilfsmittel daher immer einsetzen! Sei es, dass Ihr Pferd durchparieren soll, begleiten Sie die Hilfen durch den wirkungsvollen "kurzen und deutlichen" Zischlaut! Soll Ihr Pferd langsamer gehen, begleiten Sie Ihre Hilfe mit einem "tiefen und beruhigenden" Oohla"! Soll Ihr Pferd in einen Trab fallen, benutzen Sie den bekannten "Schnalzston"! Probieren Sie es aus, es funktioniert auch bei Pferden, die noch niemals damit gearbeitet wurden! Camargue-Pferde sollten grundsätzlich mit  "französischen" Kommandos gearbeitet werden. Zum einen liegt der "Klang" dieser Kommandos den Pferden wohl im Blut, zum anderen wird auch damit die Tradition gepflegt.

7. Wenn Sie die Hufe Ihres Pferdes selbst pflegen:

Beachten Sie, dass Ihr Pferd nicht zu kurz angebunden ist. Ihr Pferd braucht eine gewisse Bewegungsfreiheit, wenn es sein Gleichgewicht beim Anheben eines Hufes finden muss. Gehen Sie stehts ruhig und ohne Zeitdruck an diese Aufgabe heran. Streichen Sie mit Ihrer Hand "immer von Innen" - also bei den Vorderhufen von hinten und bei den Hinterhufen von vorne - vom Bauch aus und von oben das Pferdebein, bis Sie den Huf erreicht haben. Dann heben ie den Huf leicht und langsam an, ohne allzuviel Zwang anzuwenden. Loben Sie Ihr Pferd, wenn es sich ruhig verhält und versuchen Sie, dass das Pferd den Huf selbst oben behält! Sie lassen den Huf so etwas "schwingen" - Sie geben also etwas nach -   um dem Pferd das selbständige Hochhalten zu zeigen und zu trainieren. Bevor Sie mit der Hufpflege beginnen, sollte Ihr Pferd im Idealfall das selbständige Hochhalten des Hufes beherschen. Es sollte auf keinen Fall unwillig sein und/oder unter Stress geraten, bevor Sie die Pflege durchführen.

8. Ein alter hilfreicher Trick

Bei jungen Pferden oder auch bei sehr nervösen Pferden ist es oftmals notwendig, bei der Hufpflege einen kleinen Trick anzuwenden. Früher bediente man sich der sogenannten "Nasenbremse" um das Pferd abzulenken. Diese Methode ist jedoch nicht ganz unbestritten, kann sie doch dem Pferd einen mehr oder weniger starken Schmerz bereiten. Es hat sich daher eine als wirkungsvolle und schmerzfreie Methode unter Pferdefreunden verbreitet: Man benutzt ein ca. 5 cm breites Klebeband und klebt dieses dem Pferd auf die Nase vom Nasenbein bis zwischen die Nasenlöcher. Nun steht Ihr Pferd still, ohne dass es einen Schmerz verspührt! Lediglich beim Entfernen des Klebebandes sollte man vorsichtig sein, um das Pferd nicht zu erschrecken. Früher gab es bekanntich noch keine Klebebänder, wie man sie heute kennt. Damals behalf man sich mit einem Stoffstreifen, den man zuvor mit Honig bestrich. Hier ein Link, wie es funktioniert:

Ein alter Trick


Die  artgerechte Haltung

Leider werden Pferde immer noch in Boxen gehalten. Auch bei sogenannten "Offenstellhaltungen" ist der "Auslauf" insbesondere in der Winterzeit und/oder in der Nachtzeit zu klein, um dem natürlichen großen "Bewegungsdrang" des Pferdes gerecht zu werden.  Auch bei der Unterbringung der Pferde in der Nachtzeit in einer Box leidet des Pferd mehr, als gemeinhin angenommen. Verstärktes Vorkommen von Koliken und Defizite im sozialen Verhalten der Pferde zeigen uns deutlich, dass wir mit dieser Haltung der Pferde ihren Bedürfnissen nur unzureichend nachkommen.

Das Pferd ist bekanntlich ein Herdentier. Ausreichender Bewegungsraum und Herdenhaltung zur Aufrechterhaltung der Gesundheit unseres Partners "Pferd" sollte daher selbstverständlich sein.

Die üppige Vegetation in Deutschland und in anderen Gebieten außerhalb der Camargue macht es erforderlich, hier eine selektive Beweidung durchzuführen. Ideal sind Brachflächen mit Bachlauf, Quellen- oder Sumpfgebietden. Um den ursprünglichen Typ des Camargue-Pferdes mit seiner Zähigkeit und Genügsamkeit auch weiterhin zu erhalten, ist es notwendig, das Futterangebot den kargen Bedingungen des Ursprungsgebietes möglichst anzupassen.

Dies bedeutet, durch selektive Beweidung einzelner Flächen, ein Überflussangebot an eiweißhaltigem Futter zu vermeiden. Es empfiehlt sich insbesondere im Winter, gutes Stroh als Teil der Zufütterung einzusetzen. Auch ist eine Beweidung der  Weideflächen, die selbstverständlich auf keinen Fall gedüngt werden sollten, so auszugestalten, dass ein  Abweiden von Teilflächen erfolgt und nicht die gesamte Fläche mit zu stark eiweißhaltigem Nachwuchs zur Verfügung gehalten wird.

Ein Überangebot von Futter führt zwangsläufig zu einem Verlust an Ursprünglichkeit und Genügsamkeit des Camargue-Pferdes, insbesondere, wenn dies über mehrere Generationen im Zuchtbereich der Fall ist.

Die Weideflächen sollten daher stets gewechselt werden, damit sich der Nachwuchs auf nicht beweideten Flächen wieder entfalten kann. Flächen mit älterem Bestand sind zu bevorzugen und die Flächen sollten jährlich maximal zwei mal beweidet werden.

Eine Dauerweide, d.h., eine Weide die nicht gewechselt wird und bei der die Pferde quasi immer wieder den frischen Nachwuchs abfressen, ist nicht pferdegerecht und sollte daher unbedingt vermieden werden.  Diese Pferdehaltung birgt nicht nur große Gefahren im Bereich der Parasitenverbreitung, sondern führt auch dazu, dass den Pferden das so wichtige Rauhfutter fehlt. Die Folgen sind Übergewicht, Leistungsabfall und Hufrehe.

Die genügsamen Camargue-Pferde kommen mit Brachflächen bestens zurecht und verhindern bei  einer  kurzzeitigen Überweidung, dass die Flächen verbuschen.

Sogar Schwarzdorn und Himbeer- oder Brombeerhecken werden in gewissem Maße zurückgedrängt. Auch ist eine Auflockerung des Bodens zu beobachten, gleichsam ein natürlicher Mulchvorgang, der nach Beweidung die Flächen als ursprüngliches Weideland mit seiner Vielfalt an Gräsern und Kräutern wiedererstehen läßt.

Fehler bei der Fütterung und Haltung

Leider werden bei der Haltung von Pferden oft große Fehler gemacht. Dies zum einen aus Unkenntnis oder oft auch nur aus Bequemlichkeit und der Feststellung: "Das haben wir schon immer so gemacht" - oder  "das machen ja alle so!" So werden in sehr vielen  Reitställen und Pferdebetrieben noch immer die sogannten "Baubütten", d. h. die eigentlich für Handwerder am Bau gedachten schwarzen Kunststoffbütten zur Pferdetränke benutzt, obwohl hinlänglich bekannt ist, dass diese aus Recycling-Kunststoff hergestellten Gefäße ein hohe Maß an toxischen Stoffen absondern. Insbesondere im Sommer wird das Futter oder Wasser mit diesen giftigen und nachweislich krebserregenden Substanzen kontaminiert!

Also:  A b   s o f o r t  , weg mit diesen Bütten, auch wenn Sie sich bei Ihrem Pferdebetrieb unbeliebt machen.   B e s t e h e n  Sie darauf, dass diese Baubütten oder Eimer entfernt und durch unbedenkliche Gefäße wie z.B. verzinkte Blechbütten/-Eimer oder für Lebensmittel geeignete Gefäße (abgeschnittene Gitterboxen oder unbedenkliche Fässer) ersetzt werden.
Auch Altreifen von Fahrzeugen haben auf der Weide nichts verloren. Auch diese dünsten gefährliche und toxische Stoffe aus! Als Futtertrog sind sie deshalb völlig ungeeignet.

Lassen Sie Ihr Pferd doch einfach vom Boden aus Fressen, schließlich handelt es sich um Steppentiere, die in ihrem Leben und bei ihrer Evolution das "Grasen" am Boden gelernt haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß Pferde dabei einen Mechanismus entwickelt haben und das Grasen am Boden einen Druckausgleich im Bereich der Gehörgänge auslöst! Heu in Netzen hoch aufgehängt unseren Pferden anzubieten, grenzt schon fast an "Tierquälerei", wenn man weiß, dass der Druckausgleich damit verhindert wird! Ganz davon abgesehen, dass ein hoch aufgehängtes Heunetz den Staub permanent in die Nüstern des Pferdes und damit das Eindringen  in die Atemwege unausweichlich macht.


Auch die Unsitte,

Äpfel, Brot und sonstiges Zusatzfutter wie "Leckerlies"

ständig für die "lieben" Pferde bereit zu halten ist nicht nur aus "erzieherischen" Gründen sondern auch generell abzulehenen, denn dies schadet mehr als es nutzt. 

Auch eine größere Menge an Äpfeln führt zu einer Überzuckerung des Pferdes mit den gleichen gesundheitsschädlichen Folgen! (Durchfall, Hufrehe, Kreuzverschlag usw.) Das gleiche gilt für Brot oder sonstige kohlehydrathaltigen Zusatzstoffe. Brot sollte grundsätzlich wegen des hohen Kohlehydratanteils und der Zusatzstoffe wie z. B. "Zucker"  nicht verfüttert werden. Genau wird dies im nachfolgenden Beitrag erklärt. Auch die "gut gemeinten" Leckerlies schaden mehr als sie nutzen. Insbesondere sind sie auch nicht geeignet, die "Erziehung" des Pferdes zu fördern! Ein Lob durch "Klopfen am Hals" oder eine stimmliche kurze Belobigung ist allemal besser.

Warum Brot nicht in's Pferd gehört

Die Gefahr "Hufrehe" ist nur durch vernünftige Fütterung und mit einem richtigen Weidenmenagement gebannt

Hufrehe ist für Pferde eigentlich das sichere Todesurteil! Hat ein Pferd einmal diese Krankheit, kann es nur noch als "Pflegepferd" überleben, denn eine normale Haltung und ein Beritt ist auch bei besten Therapien in der Regel nicht mehr möglich. Hierzu lesen Sie den nachfolgenden Text aus einem Link über Hufrehe:

Hufrehe

"Insulin als Auslöser von fütterungsbedingter Hufrehe passt weitaus besser als alle bisherigen, eigentlich veralteten Theorien zur Wirklichkeit.

Denn beim Insulinstoffwechsel spielen Zucker und Stärke eine entscheidende Rolle.

Fruktane gehören auch dazu, sind aber nicht allein verantwortlich. Und das erwähnte Darmgeschehen ist vermutlich oft, aber durchaus nicht immer eine Begleiterscheinung, aber wahrscheinlich kein Glied in der Ursache-Wirkungs-Kette.

Ob Zucker aus Rüben, wie er in melassierten Industriefuttermitteln häufig zugesetzt wird, Fruchtzucker aus Äpfeln, Möhren oder Gras, Stärke aus Getreide oder Brot, all das regt durch einen hohen Glucoseblutwert die Insulinproduktion der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse an.

Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, es hilft, Blutzucker entweder in Muskelzellen oder in Fettgewebe einzulagern. Deshalb produziert der Organismus von Equiden im Herbst besonders viel davon, damit die Tiere sich leichter eine Speckschicht für den Winter zulegen können. (Bei „rästelhaften“ Reheschüben im Spätherbst und Winter ist dieser Effekt wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt!)

Wird nun dauernd zuviel Zucker und Stärke durch die Nahrungsaufnahme als Glukose ins Blut des Pferdes befördert, können weder Muskeln noch Fettgewebe genug davon aufnehmen. Der das Insulin produzierenden Bauchspeicheldrüse fehlt quasi die Antwort „Stopp, es reicht“ durch ein Sinken des Zuckerspiegels im Blut. Sie produziert immer weiter, mit dem Ergebnis einer Hufrehe.

Zuckergras, Bewegungsmangel und Unvernunft

Das typische Hufrehe-Pferd ist ein schneckenfettes Pony auf einer ratzegrünen Weide, welches zusätzlich noch täglich reichlich Mueslifutter oder Hafer von seinem wohlmeinenden Besitzer bekommt. Das Tier wird kaum bewegt, weil der Besitzer keine Lust oder keine Zeit hat, ausreichend Bewegung durch eine große Herde und/oder eine große Weide gibt es auch nicht.

Tragisch ist, dass auch ein dickeres Pferd bei ausreichend Muskelarbeit noch Glukose aus dem Blut fort schafft, wenn, ja wenn es denn wenigstens genug Bewegung hätte……

Leider hat sich das Gras auf unseren Weiden in den letzten 30-40 Jahren grundlegend verändert. Es wurden vor allem für Milchkühe Hochleistungs-Grassorten mit sehr hohem Zuckergehalt gezüchtet. Denn die ersten Hochleistungs-Milchkühe sind verhungert, weil man gar kein angemessenes Futter für ihre enorme Milchleistung hatte. Das ist heute anders, Hochleistungsgräser haben alle Standorte mit ausreichendem Stickstoffangebot – egal, ob als Chemiedünger aufgebracht oder natürlich vorhanden- erobert.

Die Preise für Milch, Butter und Käse sind in den letzten Jahrzehnten so wie die Preise für andere Lebensmittel auch ständig gefallen. Unsere geliebten Pferde zahlen immer öfter durch Hufrehe den Preis für unsere Gier nach billigen Lebensmitteln.

Ein weiterer Grund für die immer mehr zunehmenden Hufrehe-Fälle ist aber auch grenzenlose Unvernunft der Pferdebesitzer. Viele glauben, Gras und Heu wären für ein Pferd so etwas wie Nudeln oder Kartoffeln für den Menschen. Also müsse da unbedingt noch Getreide – am besten als Muesli-Futter – dazu.

So gibt man den vielen leichfutterigen Import-Rassen, die eigentlich gar nicht auf unsere Weiden mit nährstoffreichen Böden passen und sowieso schon durch moderne Hochleistungs-Grassorten hoffnungslos überversorgt sind, quasi den letzten, oft entscheidenden „Schubser“ Richtung Hufrehe.

Isländer, Haflinger, Esel, Mulis, Koniks und ähnlich leichtfutterige Tiere kann man auf fetten Weiden in Flussniederungen oder fruchtbaren Tälern und Ebenen nur artgerecht halten, wenn man sie entweder täglich 8 Stunden hart arbeiten lässt, oder die Weidezeit stark begrenzt UND außerhalb der Weide möglichst spät geworbenes Heu von mageren Böden aus im Zweifel weiter entfernten Höhenlagen füttert.

DAS ist leider ein weiterer verhängnisvoller Irrtum vieler Pferdehalter: HEU IST HEU, oder? Hauptsache, es riecht nicht muffig und staubt nicht, gell?

Dabei kann Heu im Energie-Gehalt zwischen 6,5 und fast 10 Megajoule schwanken. Der Zucker- und Stärkegehalt schwankt noch erheblich stärker. Wie wir gelernt haben, ist Zucker ein Wachstumsmittel. Ist Gras aber im Sommer bereits gelb, wächst es kaum noch und enthält als Folge kaum noch Zucker.

Leider ist DAS Heu, wie es der Landwirt für seine Milch- oder Fleischrinder, seine Schafe und Lämmer haben will, für robuste, wenig genutzte Pferde reines Gift. Lässt man sie nur lange genug davon reichliche Mengen fressen, werden viele von ihnen Hufrehe bekommen.

Lediglich Renn- oder Distanzpferde im Training, Zuchtstuten oder –Hengste vertragen das gleiche Heu wie Kühe und Kälber!

Zucker macht hungrig

Der hohe Zuckergehalt in modernen Zuchtgräsern macht leider nicht nur unmittelbar dick, sondern auch mittelbar. Ähnlich wie beim Menschen behindert reichlich Zucker in der Nahrung ein Sättigungsgefühl. Dicke Ponys auf fetten Uferwiesen fressen immer weiter, weil sie sich nie richtig satt fühlen. Von gutem, spät geworbenem, zuckerarmen Kräuterheu von mageren Böden würden solche Tiere erheblich weniger fressen, weil schneller ein Sättigungsgefühl eintritt.

Was tun mit übergewichtigen Pferden? Am wichtigsten ist, dass man sie NIEMALS hungern lassen darf. Die Pferdeverdauung ist auf Dauerbetrieb ausgelegt, lange Fresspausen führen nicht nur zu Frust, auch Magengeschwüre oder Kolik können die Folge sein. Außerdem kann bei plötzlichem Futterentzug der Leberstoffwechsel lebensgefährlich entgleisen (Hyperlipidämie). Man muss also für ausreichend Futter mit möglichst niedriger Energiedichte sorgen (mindestens 1-1,5 kg pro 100 kg Lebendmasse täglich!).

Es mag teuer erscheinen, z.B. im Rheinland das Heu aus der Eifel, dem Hunsrück, oder dem Westernwald über evt. 100-150 km heran zu schaffen. Aber solches sehr arten- und kräuterreiche Heu gewährleistet die Versorgung mit allem, was das Tier braucht. Lediglich einen Salzleckstein und sauberes Wasser braucht es zusätzlich. Man möge kritisch prüfen, wie viel Geld man im Laufe des Jahres für alle möglichen Mittelchen oder teures Mueslifutter ausgibt. Den Tieren bekäme es besser, hätte man dafür gutes Heu aus evt. weiter entfernten Regionen gekauft. Schließlich hat kein Island-Pferd je darum gebeten, im Rheinland leben zu dürfen."

Der angebliche Selenmangel und das Cushing-Syndrom

Hierzu stellt die Biologin Dr. Christina Fritz u. a. folgendes fest:

"Wie auch schon in meinem Artikeln zu Kryptopyrrolurie (KPU) und Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) ausgeführt, handelt es sich also auch bei EMS und Cushing in aller Regel um „hingefütterte“ Krankheiten. Die wenigsten Pferde haben einen echten Cushing, dem ein Hypophysenadenom zugrunde liegt."

Lesen Sie diesen wissenschaftlichen Beitrag:

Selenmangel und Cushing-Syndrom

und

Der Unsinn mit der Zugabe von Selen im Pferdefutter

Aufzucht und Umgang mit jungen Camargue-Pferden

Die Aufzucht von Camargue-Pferden ist ausschlaggebend und prägend für das spätere Reitpferd. Obwohl Camargue-Pferde ihren Ursprung unmittelbar auf die vor ca. 40.000 Jahren in Südeuropa lebenden Pferde, welche auch als "Solutré-Pferd" bezeichnet werden, zurückführen und die Camargue-Pferde noch bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Wildpferde in den Sümpfen der Camargue lebten, sind diese Pferde als außerordentlich  umgänglicher Partner des Menschen bekannt.  Allerdings ist dabei aber auch heute von ausschlaggebender Bedeutung, dass bei dieser Pferderasse die Aufzucht naturnah erfolgt.

So ist die  Aufzucht dieser Pferde bis zum Alter von 2 bis 3 Jahren nur im Herdenverbund  und ganzjährigem Weidegang artgerecht. Die jungen Pferde lernen dabei von den jeweils älteren Artgenossen innerhalb der Herde, so dass ihr soziales Verhalten ausgeprägt wird.

Das Absetzen der Fohlen

Camargue-Pferde sollten im Idealfalle frühestens  nach  9-10 Monaten abgesetzt  werden. Camargue-Stuten tragen elfeinhalb Monate, also einen halben Monat länger als andere Pferderaassen.  Wenn auch im Ursprungsgebiet bei den größeren und kleineren Züchtern in der Regel ein Absetzen der im zeitigen Frühjahr geborenen Fohlen traditionell  bereits im November des Jahres erfolgt, was auch damit zusammenhängt, dass dort die Zuchtstuten häufig bereits in der Fahlenrosse, also unmittelbar nach der Geburt der Fohlen im Frühjahr, neu gedeckt werden und damit bereits im Folgejahr wieder abfohlen, so ist es artgerechter und naturnah, das Absetzen erst nach 11 Monaten vorzunehmen, wie wir es seit Jahren pflegen. In unserer Zucht werden die Zuchtstuten dann erst im Folgejahr, also nach absetzen der Fohlen neu gedeckt, so daß die nächsten Fohlen dann im darauf folgenden Jahr geboren werden. Das Absetzen der Fohlen erfolgt im übrigen in der Weise, dass die Fohlen in ihrer gewohnten Herde verbleiben und die Stuten herausgenommen werden. Damit ist das Absetzen für die Fohlen weigehendst stressfrei.

Unsere Jungpferde verbleiben dann bis zu ihrem 3. Lebensjahr in der Herde zusammen mit ihren älteren oder auch jüngeren Artgenossen, so dass sich das soziale Verhalten unserer Pferde unabhängig von ihrer genetischen Anlage stark ausprägen kann.

Unsere Nachzucht steht daher als Absetzer frühestens nach 11 Monaten zum Verkauf!

Ein aufschlussreicher Beitrag über die Problematik des Fohlenabsetzens erschien in der Zeitschrift "Rheinlands Reiter und Pferde, Heft Oktober 2011", den wir nachstehend auszugsweise wie folgt wiedergeben:

(Wird noch bearbeitet!)


Warum Camargue-Pferde ganzjährig auf der Weide stehen

Camargue-Pferde sollten ganzjährig auf der Weide oder auf einem Winterauslauf stehen. Auch im Ursprungsgebier im Süden Frankreichs waren die Wildpferde und sind diese noch heute dem eiskalten und orkanartigen Fallwind aus den Alpen jedes Jahr ausgesetzt. Die Evolution hat daher dafür gesorgt, dass diese bis heute ursprünglich gebliebene Pferderasse keinerlei Probleme mit Kälte und Wind hat. Im Sommer schützt das weiße Fell vor Überhitzung.

Die Thermoregulation bei Pferden und insbeondere bei  Camargue-Pferden

Zum Thema "Thermoregulation": Decken Sie Ihr Pferd auch nicht mit sogenannten "Abschwitzdecken" ein. Hier ist  die Gefahr einer "falschen Vorsorge" gegeben, denn mit dem Eindecken verhindern Sie die natürliche "Thermoregulation". Insbesondere Camargue-Pferde entwickeln zu Beginn der kalten Jahreszeit ein besonders dickes und "doppelschichtiges" Winterfell - auch auf Grund der Evolutionsgenetik. Hierzu ist jedoch der "Kälteimpuls" - wie wir ihn auch bei Pflanzen kennen - zwingend notwendig! Es ist daher nicht hilfreich, wenn dieser Kälteimpuls durch Eindecken des Pferdes quasi verhindert wird. Die sogenannten "Grainhaare", welche die "zweite" Schicht ergeben, können sich nur bei diesem Kälteimpuls entwickeln und das gesamte Fell kann sich bei einer Abdeckung nicht "aufstellen", so dass die natürliche Thermoregulation unterbunden wird.

Auch ein "geschwitztes" Pferd benötigt keinesfalls immer eine "Eindeckung" zum sogenannten "Abschwitzen". Ein Abreiben mit Stroh und leichte Bewegung durch Führen des Pferdes ist allemal besser, denn durch das Abdecken wird das "Aufstellen" der Fellhaare und damit die Thermoregulation verhindert. Das Aufstellen der Fellhaare geschieht durch eine Art "Gänsehaut" und durch Schütteln des Pferdes. Beim Eindecken wird dieses "Aufstellen" der Fellhaare mit den sich hieraus ergebenden Effekt der natürlichen Thermoregulation verhindert. Hier der Link zu einem Beitrag, der meine Feststellungen bestätigt:

Die "Thermoregulation"

Die Sache mit der Fütterung

Das Thema Fütterung wird ebenso ausgiebig wie häufig unter Pferdehaltern diskutiert.  Auch will die Futtermittelindustrie uns Glauben machen, nur ihr Produkt gewährleiste die Gesundheit unserer Lieblinge. Leider ist jedoch vielfach das Gegenteil der Fall. Pferdehalter und insbesondere Halter von Camargue-Pferden sollten die Fütterungsangebote der Futtermittelindustrie absolut kritisch betrachten.

Die Haltung von Pferden sollte allgemein und idealer Weise so erfolgen, dass sie den natürlichen Bedingungen möglichst nahe kommt. Insbesondere Camargue-Pferde gelten als leichtfuttrig, also als hervorragende Futterverwerter.  Pferde sind grundsätzlich keine Getreidefresser, sondern Grasfresser!

Sicher kann man heute nicht mehr davon ausgehen, Pferde so zu halten, wie sie ursprünglich als Wildpferde vor Tausenden von Jahren gelebt haben. Dennoch sollte man sich auf die ursprünglichen Lebensbedingungen zurück besinnen und die heutigen Lebensbedingungen der Pferde möglichst den ursprünglichen Bedingungen anzupassen.

Die  artgerechte Haltung

Leider werden Pferde immer noch in Boxen gehalten. Auch bei sogenannten "Offenstellhaltungen" ist der "Auslauf" insbesondere in der Winterzeit und/oder in der Nachtzeit zu klein, um dem natürlichen großen "Bewegungsdrang" des Pferdes gerecht zu werden.  Auch bei der Unterbringung der Pferde in der Nachtzeit in einer Box leidet des Pferd mehr, als gemeinhin angenommen. Verstärktes Vorkommen von Koliken und Defizite im sozialen Verhalten der Pferde zeigen uns deutlich, dass wir mit dieser Haltung der Pferde ihren Bedürfnissen nur unzureichend nachkommen.

Das Pferd ist bekanntlich ein Herdentier. Ausreichender Bewegungsraum und Herdenhaltung zur Aufrechterhaltung der Gesundheit unseres Partners "Pferd" sollte daher selbstverständlich sein.

Die üppige Vegetation in Deutschland und in anderen Gebieten außerhalb der Camargue macht es erforderlich, hier eine selektive Beweidung durchzuführen. Ideal sind Brachflächen mit Bachlauf, Quellen- oder Sumpfgebietden. Um den ursprünglichen Typ des Camargue-Pferdes mit seiner Zähigkeit und Genügsamkeit auch weiterhin zu erhalten, ist es notwendig, das Futterangebot den kargen Bedingungen des Ursprungsgebietes möglichst anzupassen.

Dies bedeutet, durch selektive Beweidung einzelner Flächen, ein Überflussangebot an eiweißhaltigem Futter zu vermeiden. Es empfiehlt sich insbesondere im Winter, gutes Stroh als Teil der Zufütterung einzusetzen. Auch ist eine Beweidung der  Weideflächen, die selbstverständlich auf keinen Fall gedüngt werden sollten, so auszugestalten, dass ein  Abweiden von Teilflächen erfolgt und nicht die gesamte Fläche mit zu stark eiweißhaltigem Nachwuchs zur Verfügung gehalten wird.

Ein Überangebot von Futter führt zwangsläufig zu einem Verlust an Ursprünglichkeit und Genügsamkeit des Camargue-Pferdes, insbesondere, wenn dies über mehrere Generationen im Zuchtbereich der Fall ist.

Die Weideflächen sollten daher stets gewechselt werden, damit sich der Nachwuchs auf nicht beweideten Flächen wieder entfalten kann. Flächen mit älterem Bestand sind zu bevorzugen und die Flächen sollten jährlich maximal zwei mal beweidet werden.

Eine Dauerweide, d.h., eine Weide die nicht gewechselt wird und bei der die Pferde quasi immer wieder den frischen Nachwuchs abfressen, ist nicht pferdegerecht und sollte daher unbedingt vermieden werden.  Diese Pferdehaltung birgt nicht nur große Gefahren im Bereich der Parasitenverbreitung, sondern führt auch dazu, dass den Pferden das so wichtige Rauhfutter fehlt. Die Folgen sind Übergewicht, Leistungsabfall und Hufrehe.





Auch bei uns in Deutschland finden sich solche idealen Bedingungen, wie diese Bilder von uns zeigen.


Ein interessanter Beitrag hierzu:

Fütterung naturnah organisieren

Sofern jedoch diese Bedingungen nicht vorliegen, sollte die "Hauptfütterung" aus "gutem Heu und Stroh" bestehen! Stroh darf jedoch vom Landwirt nicht zur Ertragssteigerung "kurzgespritzt" werden, denn dann besteht die Gefahr für die Trächtigkeit von Stuten und Zeugungsfähigkeit von Hengsten. Vergewissern Sie sich daher immer beim Lieferanten des Strohs, dass dieses nicht chemisch behandelt ist!

Das bedeutet insbesondere für Camargue-Pferde folgende Empfehlung:

1. Haltung auf extensiv genutzten Flächen mit natürlichen oder auch errichteten Unterständen (max. 3-seitig geschlossen)

2. Haltung in Gruppen von mindestens 2 Pferden, am besten jedoch Herden ab 5 Pferden verschiedener Jahrgänge.

3. Flächen mit natürlichen Tränkmöglichkeiten, wie Bäche oder Quellen.

4. Bei Weideflächen sollten Wald- und Unterholzflächen möglichst einbezogen werden oder durch Zugabe von Zweigen, Laub und Unterholz natürliche Bedingungen für die Pferde geschaffen werden.

5. Verzicht auf jegliche Düngung der Flächen, damit ein kräuterreiches Grünland erhalten wird.

6. Häufiger Wechsel der beweideten Flächen. Wenn auf eine Düngung aus Ertragsgründen nicht verzichtet werden kann, dann sollte die Weide erst nach längerem zeitlichen Abstand beweidet werden. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß die Weide erst zu einem späten Zeitpunkt beweidet wird, wenn der Bewuchs vollständig ausgewachsen ist. Entsprechendes gilt auch bei Kalkung von sauren Böden.

7. Winterfütterung nur mit Heu und Stroh zusätzlich zu Weideflächen.

8. Wenn Kraftfutter zusätzlich in Verbindung mit Mineralzusätzen zum Einsatz kommen soll, Kraftfutter wie Hafer oder sonstiges Getreide nur als Korn und nicht in gequetschter Form und nur äußerst gering dosiert verfüttern. Maximal  100 Gramm pro Pferd/Tag! Keine Pellets als Heuersatz verfüttern!

9. Bei Mineralfutter-/Zusätzen die Dosierungsempfehlung  genau beachten! Lieber etwas weniger verfüttern!

10. Salzangebot jedoch stets durch Mineral- oder Salzlecksteine  sicherstellen

11. Absolut nachteilig und gefährlich ist die Unsitte, getrocknetes Brot zu verfüttern. Nicht nur, daß dies den Pferden keinerlei Vitamine oder Spurenelemente zuführt, das Füttern von Brot ist außerordentlich gefährlich, denn es enthält viel zu viel Eiweiß. Auf die Problematik zu hoher Eiweißgaben braucht an dieser Stelle sicher nicht näher eingegangen zu werden.

Die zusätzliche Fütterung von Camargue-Pferden, insbesondere aber die zusätzliche Fütterung  im Rahmen einer extensiven Zucht  von Camargue-Pferden sollte sich immer an den natürlichen Bedingungen orientieren.

Diese sind wohl ziemlich eindeutig: Weidegang auf nicht gedüngten Weiden, Brachflächen und soweit vorhanden selbstverständlich auch Feuchtwiesen. Im Winter Zufütterung von Heu und Stroh. Heusilage, die in neuerer Zeit häufig empfohlen wird, ist  ebenfalls problematisch, denn sie enthält ebenfalls zuviel Eiweiß und zu wenig Rauhfutter. Sie führt darüber hinaus auch zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels und sollte daher nur wohldosiert verfüttert werden, bei zusätzlichen Gaben von Stroh. Dies ist bei Herdenhaltung nicht immer möglich und erfordert im übrigen eine täglich mehrfache Fütterung.


Meine Empfehlung lautet daher: Heu "satt" und zusätzlich gutes Stroh verfüttern – und sonst nichts!

Kraftfutter in Form von Pellets ist ebenfalls abzulehnen, da hier unnötigerweise eine Bearbeitung der natürlichen Grundsubstanzen mit vielen nachteiligen Auswirkungen gegeben ist. So treten bei Camargue-Pferden auch im hohen Alter nur äußerst selten Zahnprobleme auf, wenn sie ausschließlich durch Weidegang und mit Heu gefüttert werden. Sowohl ein Füttern mit Silage, Heulage oder mit industriell gefertigtem Fertigfutter ist für die Gesundheit der Pferde absolut nachteilig. Ebenso ist eine Grundfütterung mit Kraftfutter abzulehnen, da Pferde damit nicht mehr ein Sättigungsgefühl erreichen. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen steuern Pferde ihr Sättigungsgefühl nicht durch die Menge des aufgenommenen und im Verdauungstrakt existierenden Futters, sondern ausschließlich über die Zahl ihrer Kaubewegungen.

Es ist also erforderlich, dass Pferde s t e t s Rauhfutter, also Heu oder Stroh zur Verfügung haben, damit sie ihren Sättigungsgrad und damit ein Zufriedenheitsgefühl erreichen. Wird dieses nicht erreicht, zeigen uns dies die Pferde durch Koppen oder Weben. Geht man davon aus, dass ein Kilo Kraftfutter in wenigen Minuten aufgefressen ist, die gleichwertige Menge an Heu jedoch ein Pferd viele Stunden mit den entsprechende Kaubewegungen beschäftigt, wird klar, dass ein Pferd, dessen Energiebedarf überwiegend mit Kraftfutter gedeckt wird, keinesfalls zufrieden sein kann, sondern hieraus das Übergewicht resultiert.

Heulage oder Silage ist nichts für Pferde

Silage oder auch Heulage (weniger feuchte Silage) ist nicht als Pferdefutter geeignet. In vielen Ställen wird Silage gefüttert, da diese weniger Staubpartikel als Heu enthält und damit für Allergiker und staubempfindliche  Pferde besser geeignet erscheint. Leider handelt man sich durch die Fütterung mit Silage aber andere sehr viel schwerwiegende gesundheitliche Probleme ein. Meine Empfehlung daher: Bei staubempfindlichen Pferden das Heu kurz vor der Fütterung bewässern (Gießkanne oder kurz in Wasser eintauchen). Damit bindet man den Staub hinreichend, ohne die Nachteile durch Übersäurung zu haben. Hier die weitere Begründung, warum Silage die Gesundheit der Pferde stark beeinträchtigt:

SILAGE

Nicht nur bei "Silage" sondern auch  bei „Heulage“ entsteht eine Übersäurung! Siehe die Tabelle des folgenden Links:

Säuretabelle

Füttern nur vom Boden

Auch die Unsitte, Heu in einer  hochhängenden  Heuraufe anzubieten, führt auf Grund der Anatomie des Pferdes zu gesundheitlichen Problemen, in dem die Pferde ihre Schluckbewegungen zur Leerung der Luftsäcke und damit zum Abfluss der Sekrete nicht mehr artgerecht ausführen können. Als Steppentier ist das Pferd schließlich schon jahrtausende gewohnt, seine Nahrung vom Boden aufzunehmen. Auch Wassertränken sollten daher in Bodennähe angebracht werden.

Pferde und insbesondere die sehr ursprünglich gebliebenen Camargue-Pferde wissen selbst am besten, was sie zur Deckung ihres Ernährungsbedarfes fressen müssen. Es gilt also, ein reichhaltiges und vielfältiges Angebot den Pferden zugänglich zu machen, wie es in der freien Natur und im ursprünglichen Lebensraum der Pferde vorgefunden wird. Diese artgerechte Ernährung der Pferde erreicht man durch die erwähnte Einbeziehung von Wald- bzw. Unterholzflächen in die Pferdeweide oder auch, wenn es nicht anders möglich ist, durch Zugabe entsprechender Zweige und Äste aus der Umgebung. Allerdings dürfen sich hierbei darunter selbstverständlich keine giftigen Pflanzen und Bäume befinden, wie sie allgemein bekannt sind und schon gar nicht Gartenabfälle oder mit dem Rasenmäher abgemähtes Gras oder ähnliche, nicht den natürlichen Gegebenheiten entsprechendes Futter!

Bei einer mit vielen Sträuchern und Kräutern bewachsenen Weidefläche suchen sich die Pferde selbst alles das heraus, was für gut für sie ist, d.h., sie decken auch Mangelerscheinungen durch Aufnahme der entsprechenden Pflanzenteile, aus dem Laub- und Reisigfutter. So ist auch die Aufnahme z. B. von Kalium und anderer wichtiger Stoffe durch natürliche Bestandteile des Futters dem jeweiligen Bedarf angepaßt.

Eine Zugabe von chemisch behandelten  Stoffen ist daher nicht sinnvoll und mit dem Risiko verbunden, dass die Dosierung nicht dem Bedarf entspricht. Alle Pferde, die bei einer standardisierten Futtermenge und allgemein angereicherten Inhaltsstoffen gehalten werden, haben keine Möglichkeit, ihren Bedarf individuell zu decken. Eine Überversorgung kann oft schädlicher sein, als eine Mangelerscheinung, die bei individueller Futteraufnahme jedoch selten ist.

Magengeschwüre durch falsche Fütterung!

Wie falsche Fütterung unsere Pferde krank macht (Auszug aus "Equimondi)

Der Verdauungsapparat eines Pferdes ist dafür ausgelegt, dass dieses ca. 18 Stunden am Tag raufaserreiche Nahrung zu sich nimmt. Um das Futterangebotes eines Wildpferdes (grobes Gras und Hölzer) verdauen zu können, enthält der Darm bzw. Magen einen hohen Säureanteil. Diese Magensäure muss durch Lauge neutralisiert werden, um nicht schädigend zu wirken. Speichel enthält diese Lauge. Und das Pferd produziert durch permanentes Kauen diese wichtige Grundlage für ein gesundes Gleichgewicht. Frisst das Pferd nicht, und kaut somit auch nicht, übersäuert der Magen durch zu wenig neutralisierende Lauge.

Nur wenige Pferde bekommen ihr Raufutter über 18 Stunden am Tag aufgeteilt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Menge, die dann gefüttert werden müsste, macht unsere Pferde dick und ist zu teuer. Ein dickes Pferd ist ebenfalls nicht gesund! Das ist gar keine Frage und sollte nicht die Lösung für unser Problem darstellen! Also öfter füttern und dabei die Tagesration in mehrere Portionen aufteilen. Das hört sich gut an und wird auch manchmal in den Ställen so gehandhabt. Tagsüber. Aber in der Nacht geht das natürlich nicht. Abends gegen 17.00 Uhr gibt es Heu...schließlich will jeder zu familiären Zeiten Feierabend machen...und morgens um 9.00 Uhr gibt es die nächste Ladung...die Zeiten sind vorbei, als der Futtermeister früh um 5.00 Uhr den Tag begrüßte und abends um 22.00 Uhr die letzte Ration Heu verteilte! Und unsere Pferde? Stehen dazwischen ca. 10 Stunden ohne zu Kauen da. Zusätzlich zu den vielen Stunden ohne Futter, die sie tagsüber verbringen. Damit sie nicht zu dick werden. Oder zu teuer. Oder zu viel Arbeit verursachen. Mehr hierzu unter

Equimondi

Warum "Futtermischungen" - egal ob Müsli oder Pellets - immer eine Gefahr für die Gesundheit der Pferde sind.

Wie aus dem vorangehenden Artikel nachgewiesen, führt eine Fütterung, deren Energie vom  Pferd schnell aufgenommen werden kann, immer zu gesundheitlichen Problemen. Entweder entstehen Magengeschwüre oder die Pferde werden schlicht und ergreifend "zu fett". Dass Übergewicht bei Pferden ebenso wie beim Menschen zu erheblichen Krankheiten führt, dürfte jedem belannt  sein und ist daher unstrittig. Wie an anderer Stelle ebenfalls bereits festgestellt, steuern Pferde ihr "Sättigungsgefühl" auch  nicht über die Fülle des Magens oder Verdauungstracktes, so dass sie auch bei Aufnahe der benötigten Energiemenge durch Kraftfutter niemals die Zufriedenheit erreichen. Darüberhinaus ist die Herstellung der Futtermischungen immer mit dem Einsatz von Substanzen verbunden, welche für die Gesundheit der Pferde nicht zuträglich sind.

Wenn "Kraftfutter" zusätzlich, dann nur Hafer! 

Es kann bei älteren Pferden oder bei Pferden, die im Arbeitseinstz sind, manchmal notwendig und sinnvoll sein, weitere Energie zuzuführen. In dem nachstehenden Auszug aus dem Beitrag von "Zentaurus" wird erklärt, warum hierfür Hafer am besten geeignet ist:

Hafer - Das Gold der Pferdefütterung wird zu Unrecht verteufelt!

Mythen, Unwissenheiten und Vorurteile all das umgibt in heutiger Zeit das Thema Haferfütterung. Der Ruf von Hafer ist ramponiert und die „Modeerscheinung" Müsli ohne Hafer, das toll duftet ist zum Renner geworden. Viele Pferdebesitzer sind einem Nervenzusammenbruch nahe, wenn man nur das Wort Hafer in den Mund nimmt ganz zu schweigen von der Empfehlung Hafer zu füttern. Vielleicht geben jedoch die immer zahlreicher auftretenden Allergien und „Wohlstandserkrankungen" der Pferde ihren Besitzern einen Denkanstoß über den Sinn oder Unsinn der heutigen „Modefütterung" der Pferde. Denn eins wurde sogar wissenschaftlich mehrfach bewiesen: Hafer ist nach wie vor das bekömmlichste Getreide für Pferde, weil Hafer am besten verdaut werden kann. Hafer ist dazu noch kostengünstig. Achten sollte man jedoch auf eine gute Qualität.

Nachfolgend Pluspunkte, die für Hafer sprechen und die eigentlich überzeugen sollten:

Hafer ist das Getreide, das vom Pferd am leichtesten verdaut werden kann.
Hafer muss vor der Verfütterung nicht gequetscht, gepoppt oder geschrotet werden, wie Mais oder Gerste, um vom Pferd optimal verdaut zu werden. Mais und Gerste unbehandelt zu verfüttern kann hingegen Hufrehe auslösen.
Hafer enthält Schleimstoffe, die die Verdauung begünstigen.
Hafer enthält ungesättigte Fettsäuren.
Hafer enthält ein sehr gutes Eiweiß (Aminosäurenmuster) und nicht mehr oder weniger Eiweiß wie z. B. Gerste.
Die Haferspelzen regen zum Kauen an.
Hafer enthält keine Klebereiweiße wie Weizen, Dinkel oder Roggen, die zu Verkleisterung des Magens führen können.
Man weiß was man in den Trog schüttet.
Hafer ist kostengünstig.

Eiweißüberschuss durch Hafer?

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist der angeblich sehr hohe Eiweißgehalt von Hafer, dabei enthält Hafer nicht mehr oder weniger Eiweiß als Gerste. Hafer enthält im Vergleich zum Mais und Gerste jedoch einen wesentlich höheren Gehalt an essentiellen Aminosäuren, wie die Aminosäure Lysin. Von essentiellen Aminosäuren spricht man, da diese vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, sondern über die Nahrung zugeführt werden müssen. Da essentielle Aminosäuren für sämtliche Körperzellen von großer Bedeutung sind, ist der hohe Anteil an essentiellen Aminosäuren ein dicker Pluspunkt für Hafer. Pferde ohne Hafer zu füttern, weil man Eiweiß fürchtet ist also unbegründet. Die Tatsache, dass die meisten Freizeitpferde nur geringe Mengen an Kraftfutter bekommen und dann oft unbedingt ein eiweißreduziertes Fertigfutter eingesetzt werden muss, um angeblich Eiweißüberschüsse zu vermeiden ist unsinnig. 0,5 bis 1 kg „eiweißreduziertes Müsli" mit z.B. 75 Gramm verdaulichem Rohprotein bringen hinsichtlich der gleichen Menge an Hafer mit 85 Gramm verdaulichem Rohprotein kaum Unterschiede, wenn man die gesamte Tageszufuhr an verdaulichem Rohprotein betrachtet, die bei einem Freitzeitpferd (500 kg) mit leichter Arbeit bei ca. 320 bis 400 g verdaulichem Rohprotein liegen sollte. Im Normalfall können Freizeitpferde im Erhaltungsbedarf oder mit leichter Arbeitsleistung ihren Eiweiß- und Energiebedarf über gutes Heu in ausreichender Menge (ca. 6 bis 8 kg pro Tag) decken. So dass für diese Pferde selten die Fütterung von Hafer oder Fertigfutter notwendig ist, sondern lediglich die Gabe eines passenden Mineralfutters die Ration abrundet.

Muss es Quetschhafer sein?

Hafer kann vom Pferd sehr gut verdaut werden, so dass Quetschen des Hafers nicht notwendig ist. Quetschen wird nur notwendig, wenn Pferde nicht richtig kauen können. Dies kommt bei Zahnproblemen vor oder auch bei älteren Pferden. Bei Fohlen und Jungpferden bis ca. 3,5 Jahren ist außerdem das Quetschen von Hafer notwendig. Quetschhafer sollte jedoch auf Grund der geringen Haltbarkeit am besten noch am gleichen Tag des Quetschens verfüttert werden, spätestens jedoch 3 Tag nach dem Quetschen.

Ist es normal, dass Haferkörner in den Pferdeäpfeln sichtbar sind?

Ja, denn auch Hafer hat keine 100 %ige Verdaulichkeit (ca. bei 84 %) und so ist es ganz normal, dass einige Haferkörner unverdaut in den Pferdeäpfeln zu finden sind. Wenn man überlegt dass 1 kg Hafer hunderte von Haferkörner enthält ist es ganz normal, dass im Kot auch nicht nur 1 Haferkorn zu finden ist.

Den gesamten Artikel finden Sie unter nachstehendem Link:


"Fütterung von Hafer"

Und hier ein weiterer Beitrag

"Warum Hafer zu Unrecht verteufelt wird"

Hafer nicht quetschen

Hafer als Kraftfutter sollte grundsätzlich nicht gequetscht verfüttert werden. Zum einen verliert gequetschter Hafer sehr schnell seine Vitamine, zum anderen ist es für das Kauverhalten des Pferdes viel besser, den Hafer langsam mit seinen Backenzähnen zu zermahlen. Dieses Zermahlen verhindert ebenso wie starke Heu- und Pflanzenfasern die gefürchtete und unangenehme Hakenbildung an den Zähnen  älterer Pferde. Darüberhinaus wird durch die Vielzahl der Kaubewegungen das Sättigungsempfinden gesteuert und damit das Wohlbefinden des Pferdes gefördert.

Schwarzer Hafer

In Frankreich wird häufig auch schwarzer Hafer verwendet, denn er gilt in seiner Wirkung als weniger "aufstachelnd"! Die Aussage: "Ihn sticht der Hafer" - wird bekanntlich verwendet, wenn jemand (auch Pferd) besonders umtriebig ist. Dem schwarzen Hafer wird jedoch nachgesagt, dass seine Wirkung in dieser Hinsicht geringer ist, als bei dem normalen hellen Hafer der Fall ist. Auch in Deutschland kann man Hafer mit schwarzer Beimischung bestellen. Ausschließlich schwarzen Hafer zu bekommen, ist jedoch schwierig.

Die Winterfütterung

Zu diesem Thema geben wir einen Auszug aus einem Beitrag wie folgt wieder:
Dieser Beitrag ist eine gemeinschaftliche Arbeit von Julia Tenschert, Jennifer Prugg (www.pferde-reparaturservice.com) und Klaudia Schönberger.
Es lohnt sich wirklich, seine Energie und Finanzen in das Beschaffen von hochwertigem Heu zu stecken, da es sich erheblich auf Gesundheitszustand und das psychische Wohlbefinden unserer Pferde auswirkt. Letzten Endes spare ich mir Tierarztkosten, Medikamente, ganz zu schweigen von Ärger und Frust, wenn ich hier sinnvoll investiere und mehr Zeit mit meinem gesunden, leistungsbereiten Pferd verbringen kann. Im Übrigen ist Futterstroh als Ergänzung zur Heufütterung sinnvoll, es sollte allerdings keine komplette Mahlzeit ersetzen, da Stroh hauptsächlich Holzfaser (Lignin) enthält, das Pferd aber zur Energiegewinnung Cellulose aus dem Heu benötigt. Außerdem stört ein Zuviel an Lignin die Zusammensetzung der Baktierienpopulation im Pferdedarm empfindlich.

Die Fütterung mit Kraftfutter und (Heu)-Silage gefährlich und unnatürlich

Hierzu schreibt:

"Sanoanimal UG
Unsere Antwort auf das Thema
M i l c h s ä u r e b a k t e r i e n im Pferdedarm
ist wohl bei den Kommentaren ein wenig untergegangen, wie ihr uns geschrieben habt. Daher hier nochmal zum aktuellen Stand der Wissenschaft zu diesem Thema:

Das Problem ist bei den ganzen wissenschaftlichen Untersuchungen, die veröffentlich werden, dass keiner so genau weiss, was alles im Darm des Pferdes an Mikroorganismen wächst und in welchen Abschnitten des Dickdarms (Medina et al 2002, De Fombelle et al 2003, Al Jassim & Andrews 2009). Das variiert stark mit den untersuchten Pferden und der zugrunde liegenden Fütterung.

Untersuchungen an Wildpferden gibt es hierzu praktisch gar nicht, da man ja für die meisten Untersuchungen an der Darmflora einen direkten Zugang von außen zum Blinddarm (Fistulierung) legen muss und das ist nur bei domestizierten Pferden unter Boxenhaltungs-Bedingungen machbar.

Ich habe 2013 insgesamt 15 frische Kotproben von Wildpferden untersuchen lassen und in keiner der Proben waren Milchsäurebakterien nachweisbar (Fritz & Kley 2013, not published). Dazu kommt, dass immer ein paar Milchsäurebakterien vom Magen aus mitgeschleppt werden, wo sie Stärke fermentieren (Argenzio et al 1974, Kern et al 1974).

Füttert man also Kraftfutter (was bei unseren domestizierten Pferden eher die Regel als die Ausnahme ist), dann vermehren diese sich im Magen und es werden umso mehr in den Dickdarm eingeschleppt, obwohl sie dort eigentlich gar nicht hingehören.

Daher wird unter Wissenschaftlern mittlerweile auch die Fütterung von Stärke beim Pferd sehr kritisch gesehen, da es bei der Fütterung großer Kraftfuttermengen zu einer Ansäuerung des Dickdarms kommt (Milinovich et al 2006, 2010).

Kleine Mengen von eingeschleppten Milchsäurebakterien sind dabei physiologisch und werden im Blinddarm kompensiert durch das Vorhandensein von Veillonellaceae-Bakterien (Daly, 2012), welche die Milchsäure gleich wieder in für das Pferd verwertbare Formen umwandeln.

Dieses Gleichgewicht kippt jedoch bei einer starken Anreicherung von Milchsäurebakterien im Blinddarm (durch viel Kraftfutter oder Zufütterung von Milchsäurebakterien).

Steigt der Anteil der Milchsäurebakterien im Dickdarm, so kommt es zu einer deutlich reduzierten Verdauung von Cellulose (De Fombelle et al 2001, 2003, Medina et al 2002). Die Veränderungen in der Darmflora im Blinddarm sind dabei sehr schnell nachzuweisen, schon etwa 5 Stunden nach der Fütterung (De Fombelle, 2001).

Noch problematischer wird das aber im Grimmdarm, also dem "Rest" des Dickdarms, der noch viel empfindlicher auf Störungen der Darmflora reagiert (Drogul 2000, De Fombelle 2001). Für eine nachhaltige Störung der Darmflora des Grimmdarms reicht es schon aus, wenn man drei Wochen lang Heulage gefüttert hat (geringerer Milchsäurebakterienanteil als in Silage) (Muhonen et al 2009).

Wird der Dickdarm insgesamt jetzt sauer durch die produzierte Milchsäure (Milinovich at al 2006, 2010), so kommt es zu einem Massensterben der cellulolytischen Mikroorganismen, die ihre Endotoxine freisetzen (Milinovich et al 2010, Pollitt & Visser 2010). Das führt zu einer schweren Störung der natürlichen Darmschleimhautschutzschicht, Absterben von Epithelzellen, Schleimhautentzündung und erhöhter Permeabilität (Sprouse et al 1987, Bailey et al 2009).

Das alles kann letztlich zu Erkrankung des Pferdes führen. Diese als "Hindgut acidosis" beschriebenen Vorgänge werden derzeit wissenschaftlich untersucht, da sie erhebliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Pferdes haben können, von Hufrehe bis Kolik (Al Jassim & Andrews 2009).

Dass dennoch von Leuten mit Begeisterung die Fütterung von Milchsäurebakterien - egal ob in Form von EM-A, Heulage oder als teilweise sogar vom Tierarzt empfohlene Futtermittel betrieben wird, ist für mich vollkommen unverständlich und bisher konnte mir auch niemand eine positive Wirkung der Milchsäurebakterienfütterung an Pferde wissenschaftlich nachweisen oder auch nur erklären.

Aus unserer Sicht ist die Schlussfolgerung: Milchsäurebakterien gehören beim Menschen auch zur normalen Darmflora dazu, beim Pferd jedoch nicht.

LG, Dr. Christina Fritz"

Was man über Karotten wissen sollte

Wegen ihres B-Carotin Gehalts sind Karotten eine gern gesehene Saftfuttergabe für Pferde im Winter.
„ Dabei muss allerdings dringend darauf hingewiesen werden, dass es hierbei auf Qualität und Menge dieses Gemüses ankommt, ob es Schaden oder Nutzen für das Pferd bringt. Einmal gefrorene Karotten dürfen nicht mehr verfüttert werden, da durch den Frost die Zellen der Karotte zerstört und damit die Inhaltsstoffe verändert werden. Generell sollte die Schadstoffbelastung (mit Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln usw.) beachtet werden. Es empfiehlt sich somit, lediglich auf Biokarottten zurückzugreifen, um den Stoffwechsel nicht noch zusätzlich zu belasten  (das gilt übrigens auch für die karottenknabbernden Zweibeiner. Außerdem weisen sie einen hohen Zuckergehalt auf, weshalb nur kleine Mengen (2-3 Stück pro Tag) bedenkenlos an ein gesundes Pferd verfüttert werden sollten. Größere Mengen führen zu einer Verschiebung der natürlichen Darmflora, da sich die gramnegativen Bakterien durch zuviel Zucker (das gilt im Übrigen für alle zuckerhaltigen Futtermittel) explosionsartig vermehren. Dabei erzielt man mehr Schaden als Nutzen, da die Nährstoffe, die das Pferd durch das Rauhfutter, seine Nahrungsgrundlage, aufnimmt nicht mehr adäquat verwertet werden und beim Absterben der überschüssigen Bakterienpopulation (was zwangsläufig passiert während der „Zuckerpausen“ von mehreren Stunden bis Tagen) das Hufreherisiko durch das Freiwerden der Wandbestandteile dieser abgestorbenen Bakterien im Darm steigt. Bei Pferden mit bereits gestörter Darmflora (Kotwasser, Durchfall bis hin zu KPU) sollte grundsätzlich auf Karottengabe verzichtet werden. Ein Zuviel an Karotten könnte des weiteren Wurmbefall begünstigen (ist allerdings bisher nicht bewiesen). Ende des Beitrages!

Der folgende Link über die Fütterung von Karotten gibt weiteren Aufschluss:

Die Gefahr bei Karotten


Äpfel, Brot und sonstiges Zusatzfutter wie "Leckerlies" u.a.

Auch eine größere Menge an Äpfeln führt zu einer Überzuckerung des Pferdes mit den gleichen gesundheitsschädlichen Folgen! (Durchfall, Hufrehe, Kreuzverschlag usw.) Das gleiche gilt für Brot oder sonstige kohlehydrathaltigen Zusatzstoffe. Brot sollte grundsätzlich wegen des hohen Kohlehydratanteils und der Zusatzstoffe wie z. B. "Zucker"  nicht verfüttert werden. Genau wird dies im nachfolgenden Beitrag erklärt. Auch die "gut gemeinten" Leckerlies schaden mehr als sie nutzen. Insbesondere sind sie auch nicht geeignet, die "Erziehung" des Pferdes zu fördern! Ein Lob durch "Klopfen am Hals" oder eine stimmliche kurze Belobigung ist allemal besser.

Warum Brot nicht in's Pferd gehört!

Hier ein Auszug aus diesem interessanten und erklärenden Beitrag:

Warum Brot nicht in's Pferd gehört ...

Die meisten Brotsorten bestehen großteils aus Weizenmehlen und/oder Roggenmehl. Beide Mehlsorten haben einen hohen Anteil an Gluten – das in Verbindung mit Wasser ein Klebereiweiß bildet. Dieses Klebereiweiß kann bei Pferden zu Verkleisterungen im Magen (1) und auch Magenschleimhautentzündungen führen. Die Verdauungsenzyme des Pferdes sind für diese Eiweisssequenzen nicht ausgelegt. Zusätzlich kann Brot je nach Sorte natürlich auch Konservierungsstoffe wie Sorbinsäure oder Propionsäure enthalten, eventuell Aromen, Salze, Hefen etc. Die Fütterung von Roggen ist aufgrund der für das Pferd kaum verdaulichen Pentosanen nicht zu empfehlen, da die Gefahr von Koliken bestehen kann (3).

Glutenärmere Sorte sind übrigens Hafer und Gerste! Dinkel nur bedingt, wenn es sich um den Urdinkel handelt, normale Dinkelsorten sind aus dem Weizen gezüchtet und genauso glutenhaltig. Dinkelspelzen sind außerdem für Pferde sehr schwer verdaulich und deswegen sollte Dinkel unbedingt immer spelzfrei verfüttert werden.

Selenmangel - was steckt dahinter?

Immer wieder hört man von Pferdebesitzern: "Mein Pferd hat Selenmangel"! Durch eine Untersuchung des Blutbildes sei dies festgestellt worden. Lesen Sie hierzu den folgenden Beitrag:

Selenmangel 

Also auch hier nochmals eine endeutige Empfehlung:

Zurück zur Natur und zu einer Fütterung, die dem ursprünglichen Futterangebot der Pferde weitgehendst entspricht. Im übrigen kommt bei einer Fütterung, die dem natürlichen Nahrungsangebot entspricht, es nicht zu Übergewicht der Pferde mit den sehr nachteiligen Folgen. Pferde sind keine Getreidefresser. Ihr Stoffwechsel ist auf faserreiches  Gras/Heu (Rauhfutter) abgestellt. Sie benötigen zu jeder Tageszeit - also auch nachts, wenn sie nach dem  Weidegang in ein Paddock gestellt werden - stets ein Angebot an Rauhfutter! 

Der Pferdemagen und der Verdauungstrakt von Pferden ist so ausgelegt, daß Pferde eine permanente Futteraufnahme benötigen! Lange Phasen ohne Futter führen nicht nur zu akuten Verdauungsproblemen sondern sie verringern auch die Leistungsfähigkeit der Pferde erheblich.

Die "Unsitte", Pferde nach dem Weidegang und über Nacht in einem Paddock oder in einem Stall oder einer Pferdebox zu halten, ohne ein angemessenes Futterangebot zur   Verfügung zu stellen, erfüllt den Straftatbestand  nach dem Tierschutzgesetz!

Insbesondere ist aus züchterischer Sicht zu vermeiden, dass die Pferde ein Nahrungsangebot erhalten, welches nicht den ursprünglichen Bedingungen entspricht, d.h., als Züchter der Rasse „Camargue-Pferd“ möchte ich ein zähes, genügsames und keinesfalls übergewichtiges Pferd, das in einer Umgebung aufwächst, die dem Ursprungsgebiet möglichst nahe kommt. Eine Überversorgung führt im Verlaufe der Entwicklung zu einer genetischen Veränderung, die nicht Ziel einer Zucht sein kann, welche die besonderen Eigenschaften und die Ursprünglichkeit der Rasse "Camargue" erhalten will.

Aber auch für die Leistungsfähigkeit und für das Wohlbefinden des Pferdes ist eine Fütterung von Kraftfutter keinesfalls zuträglich. Das Gegenteil ist der Fall. Wie in Heft 5/2010 der Zeitschrift "Rheinlands Reiter+Pferde" - Verbandsorgan des Rheinischen Pferdxestammbuches - auf den Seiten 76-77 zum Thema Pferdefütterung wie folgt nachzulesen ist:

"....Neben der Stärke im Mehlkorn enthält Getreide im Keimanteil auch Eiweiß. Große Kraftfuttermengen können also durchaus zu einem Eiweißüberschuss führen, der sich in Schreckhaftigkeit und Nervosität äußert".... Leistungseinbrüche   ....Zu wenig gutes Heu auf dem Speiseplan kann auch der Grund dafür sein, wenn ein Pferd - trotz ausreichender Vorbereitung auf die Anforderungen - mitten im Training oder einer Prüfung plötzlich stark nachlässt. Je nach Typ reagiert das Pferd entweder, in dem es schlapp, unkonzentriert und triebig wird oder in dem es versucht, sich der überfoderten Leistung durch Davonlaufen oder Bocken zu entziehen. "Vor allen bei Ausdauerleistungen wie beim Distanzreiten gewinnt das Pferd den Großteil der benötigten Energie aus den flüchtigen Fettsäueren aus der Rohfaserverdauung im Dickdarm. Sind diese Reserven aufgrund geringer Heufütterung mitten im Ritt verbraucht, steht dem Pferd keine Energie mehr zur Verfügung"."

Gerade bei Camargue-Pferden, die bekanntermaßen als sehr "leichtfuttrig" anzusehen sind, muß also die Versorgung mit gutem Heu oder ausreichendem Weidegang auf ungedüngten Wiesen besonderer Vorrang eingeräumt werden. Das Füttern mit Kraftfutter führt  nachgewiesener Maßen nicht zu einer Leistungssteigerung und zu einem gesteigerten Wohlbefinden! Anzeichen einer Überversorgung sind eine "Bockstellung" und Hinweise auf Kreuzverschlag. Auch ist eine Überversorgung mit eiweißhaltigem Kraftfutter neben anderen Ursachen Auslöser einer Attaxie beim Pferd. Siehe hierzu unter  

                                                                      Attaxie

Einfluß der Fütterung auf Neigung zur Ekzembildung

Das Camargue-Pferd neigt nur in seltenen Ausnahmefällen zur Ekzembildung. Dies aufgrund der Genetik, die sich bei den Camargue-Pferde im Ursprungsgebiet entwickelte.

Wie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse dokumentieren, hat jedoch auch die Fütterung nicht unerheblichen Einfluß auf die Neigung zur Ekzembildung und zwar auch dann, wenn  eine genetische Voraussetzung eigentlich nicht gegeben ist. Hierzu führt Frau Dr. SusanneWeyrauch-Wiegand in ihrem Beitrag "Heimlicher Heiler" - Das verkannte Spurenelement Mangan - Heft 4/2010 Rheinlands Reiter+Pferde, die Monatszeitschrift des Rheinischen Pferdestammbuches, nachzulesen unter  

 www.reiter-pferde.de

u. a. aus:

"Viele Ekzemer leiden unter unter einer zu eiweißreichen Fütterung. Im Eiweißstoffwechsel spielt das Enzym Arginase eine wichtige Rolle bei der Entgiftung des Körpers. .....Mangan spielt eine wichtige Rolle im Stressgeschehen.....Eine hohe Getreidezufuhr.... übersäuert den Körper. Mangan wird bei der körpereigenen Entsäuerung verbraucht....Eine nutürliche Manganzufuhr wird  im besten Falle durch manganreiches Heu gedeckt. Besonders kräuterreiche Gräser (Grasflächen) zeichnen sich durch einen hohen Mangangehalt aus"...Zu hohe Silagefütterung kostetet u.a. Manganreservern und kann den Manganhaushalt langfristig ins Defizit bringen..."!

Aus dieser wissenschaftlichen Erkentnis heraus können wir daher erneut feststellen:

(Winter-) Zusatzfütterung nur Heu als Grundbestandteil, nur geringste Zufütterung von Getreide/oder sonstiges Kraftfutter (Müsli & Co.) sowie möglichst keine Silage verfüttern!

Einfluß der Fütterung auf Melanombildung

Melanome bei Schimmeln kommen häufig vor.
Das sogenannte Schimmel-Gen, welches für die Melanombildung verantwortlich ist, stellt daher immer eine Disposition dar. Wissenschaftliche Studien haben jedoch auch ergeben, dass nicht nur alleine diese Gen-Disposition sondern auch Fütterungseinflüsse eine Rolle spielen können. Insbesondere wird dafür auch zu einem gewissen Teil die Überversorgung durch Getreide verantwortlich gemacht.

Es handelt sich um im allgemeinen gutartige Geschwüre, die im Zusammenhang mit der Pigmentierung bei Schimmeln stehen. Es bilden sich unter der Haut und auch teilweise in den Organen des Tieres Wucherungen in der Form von Knoten bzw. Beulen, die oft eine beachtliche Größe erreichen können.

Auch Camargue-Pferde werden hiervon nicht immer verschont. Die Fütterung hat jedoch nach meiner Auffassung. durchaus erheblichen Einfluß auf die Bildung dieser so unschönen aber auch das Wohlbefinden des Pferdes beeinträchtigten Knoten und Verdickungen, die verstärkt an der Schweifrübe und im Bereich des Darmausganges auftreten.


Interessanter Weise treten diese Melanome nicht auf oder aber erst im fortgeschrittenen Alter vereinzelt, bei Pferden die im Einklang mit der Natur gehalten werden und denen nur ein begrenztes Futterangebot jahreszeitlich bedingt zur Verfügung steht. D. h.:, Pferde ohne Kraftfutterzufütterung leiden wesentlich weniger unter den Melanomen als solche, die mit Kraftfutter oder Heusilage eine Überversorgung insbesondere von Eiweiß erhalten.

Es zeigt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal deutlich, dass Mutter „Natur“ die Dinge fast immer am besten regelt.

Wer nicht in der Lage ist, seine Pferde naturnah und extensiv zu halten, sollte jedenfalls streng darauf achten, dass die Fütterung nicht mit Kraftfutter und/oder Pellets erfolgt. Gutes Heu und gutes Stroh sind dann das Beste, was man Camargue-Pferden anbieten kann. Ab und an auch etwas Kraftfutter in Form von Müsli oder Hafer. Hier sollte man jedoch bedacht sein, wirklich nur kleinste Mengen zuzufüttern. Auch hier ist weniger mehr! Dies gilt ebenso für Mineralzusätze. Zuviel Mineralien führen in der Regel zu Durchfall und Koliken und es können damit  größere Schäden verursacht werden, als dies bei  zu geringen Dosen der Fall ist. 

Auf Fütterrung von Brot sollte generell verzichtet werden, denn Brot führt den Pferden keine positiv verwertbaren  Substanzen zu.  Es schadet vielmehr der Pferdegesundheit durch die im Brot oft enthaltenen chemischen Substanzen und durch den hohen Eiweißgehalt!

Wenn Sie über die Evolutionsgeschichte der Pferde und ihre Nahrungsaufnahme noch näheres wissen möchten, können Sie dies in einem wissenschaftliche Beitrag von Dr. vet. Eberhard Reininger erfahren.

Klicken Sie hier unter

Dr. vet. Eberhard Reininger

Die Haltung von Pferden wendet sich glücklicher Weise immer mehr von der reinen Boxenhaltung ab. Dies aus gutem Grund. Boxenhaltung ist "Einzelhaft" und führt sowohl zu physischen wie auch zu psychischen Problemen der Pferde in dieser Haltungsweise. Ein schönes Beispiel für artgerechte Haltung von Pferden bietet "Les dannes" ein Haltungsbetrieb, der hierfür von der Zeitschrift "CAVALLO" mit dem "Fairness Award 2010" für eine  vorbildliche Haltungsweise ausgezeichnet wurde. Näheres erfahren Sie hier unter

www.lesdannes.com


Registrierung von Pferden in der EU

Zu diesem Thema lesen Sie bitte die nachfolgenden Ausführungen:

Equidenpass und Transponder

Die von der Europäischen Union (EU) getroffene Entscheidung macht den Equidenpass ausnahmslos für alle Einhufer (Pferde, Ponys, Esel etc.) seit dem 1. Juli 2009 erforderlich, unabhängig von der Nutzungsart.
Der Equidenpass erfüllt gleich mehrere Zwecke, die für viele Lebensbereiche des Pferdes sehr wichtig sind. Bedeutendste Funktion ist die Identifizierung des Tieres, denn egal ob Tierarzt, Amtstierarzt, Polizei, die Turniermeldestelle, Grenzkontrollstelle und letztlich Tierkörperbeseitigung oder Schlachthof – alle überprüfen, ob der ihnen vorgelegte Pass auch zu dem von ihnen be­sichtigten Pferd passt.

Weiterhin wird in dem Dokument der Status des Pferdes als Schlachtpferd oder Nichtschlachtpferd vermerkt. Dieser entscheidet darüber, ob ein Tier in die menschliche Nahrungskette gelangt oder nicht. Deswegen ist auch die zeitnahe Beantragung der Papiere des Fohlens wichtig, da der Equidenpass innerhalb des Geburtsjahres ausgestellt sein sollte (bzw. sechs Monate nach der Geburt für Fohlen, die nach dem 1.7. geboren wurden). Nur dann kann der Eigentümer wählen, ob sein Pferd später einmal geschlachtet werden darf. Nach Ablauf dieser Frist wird das Tier in jedem Fall als Nichtschlachtpferd eingetragen.

Zusätzlich müssen in dem Equidenpass Auslandsaufenthalte, Eigentümerwechsel, medikamentöse Behandlungen bei Schlacht­pferden und Impfungen festgehalten werden sowie Tests von an­zeigepflichtigen Erkrankungen (wie z. B. der gefährlichen „Equi­nen Infektiösen Anämie“). Diese Grundfunktionen erfüllt jeder Equidenpass, der in Europa von einer damit beauftragten zuständigen Stelle ausgestellt wird (z. B. DQHA, PHCG, ApHCG).


Equidenpass für ein Rassepferd nur von einem Zuchtverband

Ein Rassepferd – also z. B. ein Quarter Horse mit einem Papier der American Quarter Horse Association (AQHA), ein Paint Horse mit einem Papier der American Paint Horse Association (APHA), ein Appaloosa Horse mit einem Papier des Appaloosa Horse Clubs (ApHC) kann im Sport, in der Freizeit und in der Zucht eingesetzt werden. Bei diesem Ras­sepferd muss der Pass noch eine weitere sehr wichtige Aufgabe erfüllen: Er muss die Abstammung des Pferdes bestätigen. Dies kann allerdings nur ein Equidenpass leisten, der von dem für die Rasse zuständigen und staatlich anerkannten Zuchtverband ausgestellt wurde. Nur dem Zuchtverband ist es möglich, die Abstammung des jeweiligen Pferdes zweifelsfrei zu überprüfen, nachzuweisen und im „Rasse- bzw. Zuchtpferde-Equidenpass“ zu bescheinigen. Damit erhält das Pferd auch eine Zuchtbescheinigung in den Equidenpass.


Ohne diese Bescheinigung darf mit einem Rassepferd nicht gezüchtet werden. Ebenso ist eine Veräußerung des Tieres zum Zweck der Zucht ordnungswidrig.

Für die Ausstellung des Equidenpasses für ein Rassepferd ist die Mitgliedschaft im jeweiligen Zuchtverband zwingend notwendig. Die Zuchtverbände sind gesetzlich dazu verpflichtet, sämtliche relevanten Daten der zuchtaktiven Tiere nachzuhalten. Da­her müssen die Besitzer der Pferde über eine Mitgliedschaft und damit Anerkennung der jeweiligen Zuchtbuchordnung des Ver­bandes in die Pflicht genommen werden, Informationen wie u.a. Bedeckungen, Geburten oder Todesfälle zu melden. Daraus re­sultiert, dass Zuchtverbände die hoheitliche Aufgabe der Equi­denpass-Ausstellung nur für Mitglieder vornehmen können.


Verbände und Preise

Jeder Pferdebesitzer, der ein reinrassiges Pferd hat, sollte sich zur Erstellung des Equidenpasses an den für die Rasse zuständigen Zuchtverband wenden.
Für Camargue-Pferde ist dies bevorzugt:

Rheinisches Pferdestammbuch e.V., Schloss Wickrath 7, 41189 Mönchengladbach (Filialzuchtbuch)
www.Pferdezucht-Rheinland.de

Für alle Rassen findet sich auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (www.bmelv.de) eine Liste mit den passausgebenden Stellen. Hier werden neben den oben bereits genannten Zuchtverbänden/-vereinigungen auch Stellen für die Passerstellung von Pferden ohne anerkannte Rasse in den jeweiligen Bundesländern aufgeführt.


Für alle Equidenpässe sind diese zwei Punkte wichtig:

1. Der Pferdebesitzer/Pferdehalter, also der, in dessen Obhut sich das Pferd befindet (z. B. Pensionsstall, Trainer, Transporteur oder Pferdeeigentümer) ist dafür verantwortlich, dass das Pferd von einem korrekten Equidenpass begleitet wird, und ist bei Kon­trollen haftbar.

2. Der Equidenpass ist ein lebenslang gültiges Dokument und kann nicht ohne weiteres ausgetauscht oder umgewandelt werden. Deshalb sollte die passausstellende Stelle mit Bedacht gewählt werden. Im Zweifelsfall sollte man dort lieber nachfragen, bevor man sich entscheidet.


Nützliche Informationen

ApHC Germany informiert zur Einführung der Transponder zur Kennzeichnung der Pferde
DQHA informiert zur Einführung der Transponder zur Kennzeichnung der Pferde
Viehverkehrsordnung: Ohne Pferdehalter-Registriernummer kein Pferdepass

(vbw) Die EU hat am 17. Februar 2015 eine Neue EU Equidenpass-Verordnung verabschiedet, die in allen Mitgliedsstaaten zum 1. Januar 2016 gültig sein wird (wittelsbuerger.com vom 26.09.14). Vordringlich geht es jetzt in der neuen Durchführungsverordnung darum, mehr Lebensmittelsicherheit bei Schlachtpferden zu erhalten, die Erfassung aller in der EU geborenen und eingeführten Pferde zu optimieren, stets Zugriff auf den aktuellen Standort der Tiere zu haben und Täuschungen auszuschließen. So müssen in allen Mitgliedsstaaten spätestens zum 1. Juli 2016 zentrale Datenbanken eingerichtet werden.In diese Datenbanken sind alle Pferde einzutragen, die in einem Mitgliedsstaat gehalten werden.

Auf die Pferdehalter kommt, wie bisher, besondere Verantwortung zu, denn sie sind in erster Linie für den stets korrekten Pferdepass zuständig. Der Halter sorgt in den EU Mitgliedsstaaten dafür, dass die Angaben im Pferdepass jederzeit aktuell und zutreffend sind. Werden Pferdepässe zum Beispiel von einer Züchtervereinigung ausgestellt,die ihren Geschäftssitz nicht in dem Mitgliedsland der Pferdehaltung hat,so muss der Pferdehalter ab 2016 auch dafür Sorge tragen, dass die Daten seines Pferdes spätestens 30 Tage nach der Pferdepassausgabe in die zugehörige nationale Datenbank eingelesen werden. Dies betrifft dann auch alle Züchter, die von einer Züchtervereinigung mit Geschäftssitz außerhalb ihres eigenen Mitgliedsstaats betreut werden.

Mit "Registrierte Equiden" werden von der EU weiterhin alle Pferde bezeichnet, die in Zuchtbüchern vermerkt, eingetragen sind oder eingetragen werden können. Registrierte Equiden sind auch solche Pferde (einschl Ponys), die von einer internationalen Vereinigung oder Organisation erfasst sind, die Wettkampf- und Rennpferde führt, und die einen Pferdepass haben,der von einer hierzu zugelassenen nationalen Zweigstelle einer solchen internationalen Organisation ausgestellt wurde. Mit "Zucht-und Nutzequiden" werden dagegen alle anderen Pferde bezeichnet.

Pferdepässe mit Zuchtbescheinigungen sollen für die Registrierten Equiden nach den jeweiligen Vorgaben der Organisation, die das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse führt (Stammbaum; Zuchtbuchabteilung; Leistungsklasse) von zugelassenen Züchtervereinigungen und Organisationen ausgestellt werden, die Zuchtbücher für die betreffende Rasse führen. Zucht-und Nutzequidensollen ihre Pferdepässe von Behörden oder behördlich überwachten Ausstellungsstellen erhalten.

Einige Bestimmungen wurden in der Neuen Verordnung zusätzlich genauer gefasst, so sind zum Beispiel Abkürzungen bei der Beschreibung der Pferde möglichst zu vermeiden, die genaue, überprüfte Stelle des Transponders ist in das Abzeichen-Diagramm einzutragen. Es gibt eine Seite zum Nachweis der Kastration, zum Einlesen in zusätzliche Datenbanken und weitere Seiten zur exakten Dokumentation verabreichter Arzneimittel. Bei einigen wenigen Vorgaben der EU Verordnung können die jeweiligen Mitgliedsstaaten Abweichungen bis zum 1. Januar 2016 beschließen. So kann zum Beispiel der Zeitraum bis zur Identifizierung der neu geborenen Fohlen von 12 Monate auf höchstens sechs Monate von einem Mitgliedsstaat verkürzt werden.

Die neue EU Pferdepass-Verordnung wurde im EU Amtsblatt am 03.03.2015, Seite L59/1-L59/53,veröffentlicht. Sie gilt ab dem 1. Januar 2016.

Die vorstehenden Informationen wurden von  

http://www.wittelsbuerger.de                   

veröffentlicht!

Verbot von Brandzeichen bei Pferden

Ein weiteres Thema soll hier ebenfalls unter der Rubrik "Umgang und Haltung" behandelt werden. Es handelt sich um die in letzter Zeit viel  diskutierte Frage, ob ein Verbot von  Brandzeichen bei Pferden  aus tierschutzrechtlichen Gründen angebracht ist. Hier zunächst einmal meine Antwort auf diese Frage:

" N E I N "  !

Das Brennen der Pferde und Rinder zur Identifikation hat lange Tradition. Es ist keinesfalls besonders schmerzhaft für die Tiere, wie häufig von sogenannten "Tierschützern" behauptet wird. Der Brennvorgang selbst dauert nur wenige Sekunden und Pferden verspüren mit ihrem eingeschränkten Schmerzempfinden den Brennvorgang allenfalls als unangenehm. Bedenkt man, dass ein Huftritt, wie er unter Pferden häufig vorkommt, meistens zu einem länger anhaltenden schmerzhaften Hämatom führt,  so wird deutlich, dass der Brennvorgang ein vergleichsweise harmloses Schmerzempfinden auslöst. Beim traditionellen Fohlenbrand im Ursprungsgebiet werden die Fohlen im Liegen gebrannt, was zweifelsohne zu einer "Stress-Situation" der Pferde führt. Heute ist es jedoch auch  teilweise üblich, die Fohlen im Stehen zu brennen, so dass hierbei  kein Stress entsteht.

Wie die FN Reiterliche Vereinigung in einer Studie und Demonstration feststellte, haben bei einem üblichen Brennvorgang zwei von drei Fohlen noch nicht einmal "erschrocken" reagiert! Wenn also Fohlen, wie heute üblich, im Stehen einen Schenkelbrand erhalten, ist dieser Vorgang mit Sicherheit nicht als  "tierquählerisch" einzustufen.

Wer einmal gesehen hat, wie Junghengste sich bei dem "Spiel" um die Rangordnung gegenseitig in die Flanken beißen und sich nicht unerhebliche Wunden an den Schenkeln zufügen, kann die "Gefühlsduselei" von selbsternannten "Tierschützern" beim besten Willen nicht nachvollziehen, wenn diese gegen den traditionellen Schenkelbrand  zu Felde ziehen. Die sogenannten "Tierschützer" sollten lieber dagegen vorgehen, daß Pferde in Boxenhaltung überversorgt, also letztendlich krank gefüttert werden! Hier liegt der tatsächliche Verstoß gegen die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes (§ 2 TierSchG) vor.

Eine Stunde in einer kleinen Pferdebox zu stehen und in seiner Bewegungsfreiheit so stark eingeschränkt zu sein, ist für ein Pferd, das unter einem permananten Bewegungsdrang steht, eine Qual! Hiergegen sollten die vermeintlichen "Tierschützer" zu Felde ziehen und nicht gegen das vergleichsweise harmlose Brennen eines Züchterbrandes. Auch die Unsitte, Pferde überwiegend mit Kraftfutter zu versorgen, führt zu einem quählenden "permanenten Unwohlsein" eines Pferdes, denn dieses führt  -  trotz ausreichender oder sogar überdosierter Zufuhr von Energie - nicht zu einem wohligen Sättigungsgefühl, da nur die Anzahl der Kaubewegungen dieses bei Pferden einstellt ! 

Verbot von Brandzeichen vom Tisch

Wie  bekannt, ist der umstrittene Gesetzesentwurf zum Verbot von Brandzeichen bei Pferden vom Tisch. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat dies jetzt verlauten lassen. "Eine logische und richtige Entscheidung!"



Züchterbrand aber nicht immer notwendig!

Ein Züchterbrand ist bei einigen sensiblen Käufern dennoch oft nicht erwünscht. Die Züchter in Deutschland können daher durchaus auf das Brandzeichen verzichten, auch wenn damit die Tradition nicht mehr gepflegt wird. Die Brandzeichen sind hier, da die Pferde nicht gewmeinsam mit Pferden anderer Züchter gehalten werden, auch nicht mehr erforderlich, denn die Fohlen erhalten bei den Deutschen Zuchtverbänden einen ID-Chip, der die Feststellung der Identität  in Verbindung mit dem Pferdepass jederzeit und zuverlässig  möglich macht.

Wer aber sein Pferd in der Öffentlichkeit auch dann mit dem "Züchterbrand" dekorieren und präsentieren möchte, wenn dieses keinen Züchterband hat, kann sich wie folgt helfen: Eine Schablone vom Züchterbrand anfertigen und dann mit Haarfärbemittel das Fell mit einem Pinsel einfärben. Damit erscheint der Züchterbrand zumindest für eine Saison, also im Sommerfell. Im Winterfell ist der Züchterbrand ohnehin kaum zu sehen!


Kontaktdaten:

Bernhard F. Franke
Kirchspiel 2-3
65391 Lorch im Rheingau
Tel.: +49 (0) 6726 812086
Mobil: +49 (0) 170 317 3999
eMail:
bernhard.franke@lecamargue.de


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